Bocholt ist Zentrum für Bauchspeicheldrüsenkrebs

Es ist eine ganz klare Forderung der Politik und sogar Bestandteil des Entwurfs für den Koalitionsvertrag in NRW: Durch die Bildung von Zentren und medizinischen Schwerpunkten soll die Qualität der Versorgung in den Krankenhäusern weiter gesteigert werden. Das St. Agnes-Hospital Bocholt ist jetzt die erste Klinik in der Region mit einem durch die Deutsche Krebsgesellschaft anerkanntem Zentrum zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Pankreaszentrum, wie der Fachausdruck korrekt lautet, wurde in den vergangenen Tagen durch die Deutsche Krebsgesellschaft zum ersten Mal zertifiziert und ist das einzige zertifizierte Zentrum seiner Art in den Kreisen Borken, Wesel, Kleve, Steinfurt, Coesfeld und Recklinghausen. In NRW existieren zur Zeit nur 18 zertifizierte Zentren für die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

„Die Unterscheidung von Krebserkrankungen und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse erfordert viel Erfahrung“, erklärt Chefarzt Dr. Ludger Wiemer, Leiter des Pankreaszentrums, „Herzstück unseres Zentrums ist deshalb eine fachübergreifende Tumorkonferenz. Hier bewerten Chirurgen, Gastroenterologen, Radiologen, Onkologen, Pathologen und Strahlentherapeuten gemeinsam den jeweiligen Befund des Patienten und beraten über die geeigneten Behandlungsmethoden.“

Zertifiziertes Zentrum darf sich ein Krankenhaus erst nennen, wenn es bestimmte und strenge Voraussetzungen erfüllt. Zu den Zertifizierungskriterien der Deutschen Krebsgesellschaft gehören unter anderem die Zahl der behandelten Fälle, eine erfolgreiche Nachbehandlung, eine möglichst geringe Anzahl an Komplikationen, eine genetische Beratung, die Betreuung durch den Sozialdienst und auch die Überprüfung der Sterblichkeitsrate. Einmal im Jahr besuchen Auditoren das Bocholter Krankenhaus, um sich vor Ort über die einzelnen Punkte zu informieren. Dabei handelt es sich um Ärzte anderer Kliniken, die sich speziell fortgebildet haben und sich einen ganzen Tag lang einzelne Dokumentationen und Fälle vorstellen lassen. Alle drei Jahre wird die Überprüfung noch intensiver wiederholt. Dabei gibt es auch durchaus Kritik, wie Dr. Wiemer erklärt: „Die Kritik ist aber immer an der Sache orientiert und deshalb für uns sehr hilfreich. So können wir uns weiter verbessern. Letztlich dient es dem Wohl der Patienten – auch wenn der Aufwand, der hinter der Zertifizierung steckt, für das Krankenhaus enorm ist.“

Hinter der aktuellen Auszeichnung durch die Deutsche Krebsgesellschaft stehen ein umfangreiches Verfahren und die Idee, dass Ärzte ganz unterschiedlicher Bereiche zusammenarbeiten – denn, wenn es um die Krebstherapie oder um Operationen geht, sind die Grenzen zwischen den einzelnen Fachgebieten fließend. In den Tumorkonferenzen sprechen daher Ärzte aller zugehörigen Fachbereiche und aller Krankenhausstandorte im Klinikum Westmünsterland über jeden einzelnen Patienten. Die Diagnose, aber auch die Therapie werden in einer ganzheitlichen Betrachtung festgelegt.

Die Vorsorge und die möglichst frühe Behandlung sind die wichtigsten Waffen im Kampf gegen den Krebs, weiß Dr. Wiemer, „da ist ein zertifiziertes Zentrum eine gute Adresse. Natürlich können wir nie versprechen, dass der Patient bei einer Behandlung in einem Zentrum länger lebt oder besser behandelt wird als anderswo. Aber die Wahrscheinlichkeit ist höher, denn mehrere Experten geben ihre Meinung ab und entscheiden bei der Therapie mit.“

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