DIE ANGST VOR DER DARMSPIEGELUNG NEHMEN

Borken. Laut Aussage der Deutschen Krebsgesellschaft ist Darmkrebs bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Krebserkrankung. Nach den Statistiken des Robert Koch-Instituts
erkranken in Deutschland pro Jahr jeweils rund 35.400 Männer und 30.000 Frauen daran. Dabei könnte durch eine rechtzeitige Darmspiegelung diese Krebsform nahezu komplett
verhindert werden. Langzeituntersuchungen haben gezeigt, dass durch frühe Vorsorge bisher 180.000 Darmkrebserkrankungen verhindert und ca. 43.000 Karzinome im frühen Stadium entdeckt werden konnten. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Früherkennungsdarmspiegelung selten in Anspruch genommen wird. Nur rund 20 Prozent der über 55-jährigen nehmen das Angebot an. Die übrigen 80 Prozent vermeiden die Frühvorsorge – häufig aus Angst vor der Untersuchung.

Hier setzen nun Dr. Alexander Brock, neuer Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, und Dr. Gabriele Ackers, Praxis für Gastroenterologie in Borken, an. Sie möchten ihren Beitrag dazu leisten, dass die Patienten der Praxis und des St. Marien-Hospitals die Darmspiegelung in angenehmer Erinnerung behalten. Beide wollen weitere Akzente in der „sanften Endoskopie“ setzen.

Sanfte Endoskopie – was ist das?
Die „sanfte Endoskopie“ beginnt bereits einen Tag vor der Untersuchung mit einer sorgfältigen Darmreinigung. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die im Vorbereitungsgespräch besprochen werden – lange vorbei sind die Zeiten, in denen vier Liter Glaubersalz-Lösung getrunken werden mussten. Die Darmspiegelung selbst wird so angenehm wie möglich gestaltet. Vor der Untersuchung schlüpft der Patient in eine spezielle Koloskopie-Unterhose, sodass er sich bekleidet fühlt. Rund 95 Prozent der Patienten entscheiden sich während der Untersuchung für eine leichte Sedierung, sodass sie den Eingriff komplett „verschlafen“.

Um die Darmwände zur Untersuchung gut sichtbar zu machen, muss der Darm mit Luft befüllt werden. Bisher nutzte man hierzu Raumluft. Nun kommt hierfür Kohlendioxid (CO2) zum Einsatz. Die Einbringung von CO2 hat den Vorteil, dass es über die Darmschleimhaut
aufgenommen und über die Lunge abgeatmet wird. Damit erfolgt der Abbau 150-mal schneller. Der Patient wacht auf und hat das Gefühl, als wenn gar nichts gewesen sei und
kann meistens nach 30 Minuten das Krankenhaus verlassen.

Polypen werden im Rahmen der Darmspiegelung in der Regel sofort entfernt. Für größere Polypen verwenden wir speziell entwickelte elektrische Geräte“, erklären die Ärzte, „da mehr als 90 Prozent der Darmkrebsfälle auf Darmpolypen zurückzuführen sind, können wir deshalb mit diesem kleinen Eingriff das Krebsrisiko deutlich reduzieren.“ Sie wünschen sich, dass mehr Menschen das Angebot der Früherkennung nutzen würden: „Wir bleiben am Ball, um die Untersuchung so angenehm wie möglich zu machen und damit die Heilungschancen zu erhöhen, denn im Gegensatz etwa zum Lungenkrebs, kann der Darmkrebs meistens durch Vorsorge früh genug entdeckt oder sogar verhindert werden“.

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