Dr. Rainer Wirth ist Koautor einer internationalen Leitlinie

Borken. 30. November. Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Wirth, Chefarzt der Klinik für Geriatrie im St. Marien-Hospital Borken, ist Koautor einer neuen internationalen Leitlinie zum Umgang mit Ernährungsproblemen bei Demenzpatienten. Die Leitlinie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Expertenerfahrungen und wurde kürzlich in Clinical Nutrition, einer weltweit renommierten Fachzeitschrift im Bereich Klinische Ernährung und Stoffwechsel, veröffentlicht.

Die Sinnhaftigkeit einer künstlichen Ernährung mit einer sog. PEG-Sonde bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz wird bereits seit geraumer Zeit in Frage gestellt. Auch Dr. Wirth sieht in seiner langjährigen Praxis keinerlei Beweis für den Nutzen dieses Vorgehens. Aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse sprechen ganz im Gegenteil eher für die Nutzlosigkeit und Schädlichkeit eines solchen Vorgehens. Daher spricht sich die Leitlinie, die weltweit die erste evidenzbasierte (auf wissenschaftlichen Ergebnissen basierende) Leitlinie zu diesem Thema ist, eindeutig gegen dieses Vorgehen aus.

„Demgegenüber ist es aber sehr wichtig, einen Gewichtsverlust von Demenzpatienten sehr früh zu erkennen und diesem frühzeitig entgegenzusteuern“, erklärt Dr. Wirth. „In der Vergangenheit wurde bei vielen Patienten im Stadium der fortgeschrittenen Demenz mit einer Sondenernährung begonnen, oftmals nachdem sie bereits über Monate oder Jahre erheblich an Körpergewicht verloren haben.“ Damit diese Situation erst gar nicht eintritt, rät die Leitlinie dazu, die Mahlzeiten in einer angenehmen Atmosphäre und bei liebevoller Zuwendung einzunehmen. „Bei Bedarf kann unterstützend die Kost auch gezielt angereichert werden“ erläutert der Geriater und Internist, „in klinischen Studien hat sich zusätzlich auch die frühzeitige Gabe von Trinknahrung als sehr hilfreich erwiesen“.

Zur Person:

Priv.-Doz. Dr. Rainer Wirth ist seit 2002 Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie im St. Marien-Hospital. Er baute die heutige Geriatrie auf, die inzwischen ein überregionales Einzugsgebiet hat, und implementierte ein Klinisches Ernährungsteam, welches auch fachübergreifend für die Umsetzung von Konzepten der klinischen Ernährungstherapie sorgt. Deutschlandweit haben bisher nur vier Prozent aller Krankenhäuser ein klinisches Ernährungsteam. 2004 übernahm Wirth den Vorsitz der Arbeitsgruppe Ernährung und Stoffwechsel der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Seit 2005 ist er Dozent an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und ab 2007 als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Innere Medizin – Geriatrie der Universität Erlangen–Nürnberg. Seit seiner Habilitation 2012 ist er dort auch Mitglied der medizinischen Fakultät.Bereits viermal wurde Wirth auf der Focus-Bestenliste als Top-Mediziner aufgeführt. Daneben kann er auf eine Reihe von Auszeichnungen zurückblicken. Diese erhielt er unter anderem für seine Forschungsarbeiten und zahlreichen Publikationen zu Ernährungproblematiken im Alter.

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