Grenzübergreifende Zusammenarbeit in der Pflegeausbildung

Bocholt. Das Klinikum Westmünsterland und das Doetinchemer Graafschap College haben einen Kooperationvertrag geschlossen. Seit dem 1. Februar haben niederländische Studenten der „Verpleegkunde“ die Möglichkeit, einen Teil ihrer praktischen Ausbildung im Klinikum Westmünsterland zu absolvieren. Für jeweils fünf Monate kommen dazu die Studierenden in die Krankenhäuser des Klinikums.

Pflege ist ein facettenreicher Beruf mit Zukunft. Das ist angesichts demografischer Entwicklungen und aktueller politischer Diskussionen klar. Schon in der Ausbildung spielt der praktische Unterricht eine große Rolle. In den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen des Klinikums Westmünsterland werden insgesamt über 225 Schüler und Schülerinnen ausgebildet. Den praktischen Unterricht erleben sie direkt auf den Stationen begleitet durch speziell ausgebildete Praxisanleiter. Zu den Schülern gesellen sich ab morgen auch Studenten aus den Niederlanden. Denn das Klinikum Westmünsterland und das Doetinchemer Graafschap College kooperieren miteinander.

„Es ist total spannend voneinander zu lernen“, sagt Holger Hummels, Pflegedirektor im St. Agnes-Hospital. Schließlich haben die Niederlande ein anderes Ausbildungssystem als Deutschland. Wer in den Niederlanden in der Pflege arbeiten möchte, muss studieren, während in Deutschland eine dreijährige Ausbildung den Einstieg in den Pflegeberuf ermöglicht. „Andere Ansichten und ein anderer Blick auf Themen sind durchaus bereichernd“, sagt Hummels. Die Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ermöglicht den Auszubildenden zeitgleich zusätzliche inhaltlichen Facetten des Berufs und andere pädagogische Methoden beider Länder kennenzulernen.

Schon seit einigen Monaten stehen das Grafschaap College und das Klinikum im Austausch. Doch bevor die Studenten ihr 20 wöchiges Praktikum in den verschiedenen Kliniken in Bocholt, Rhede, Borken, Ahaus und Vreden absolvieren können, mussten einige Formalien geklärt werden. Das Klinikum Westmünsterland musste verschiedene Kriterien in der Ausbildung erfüllen und diese bei der niederländischen Pflegekammer nachweisen. Und auch auf Seiten der Studenten gab es ein Pflichtkriterium vor dem Praktikum: ein Deutschkurs. An vier Tagen in der Woche werden die Studenten in den Kliniken in Bocholt, Rhede, Ahaus, Vreden und Borken im Dienst sein. An einem Tag in der Woche haben sie Vorlesung – Dienste am Wochenende müssen die niederländischen Pflegestudenten – anders als die deutschen Gesundheits- und Krankenpflegeschüler nicht übernehmen. Arbeiten müssen die meisten von ihnen wohl dennoch. Denn im Gegensatz zu den Schülern erhalten die Studenten keine Vergütung – wie üblich im Studium. Das Wochenende benötigen viele daher, um ihr Studium mit Nebenjobs zu finanzieren.

Foto: Peter Grundmann (links), Lehrer der Zentralschule für Gesundheitsberufe, begrüßte die beiden ersten niederländischenPflegestudentinnen im St. Agnes-Hospital Bocholt, Jip Zents (3.v.r.) und Kim Stemerding (2.v.r.).

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