Medizin-Mythos oder tatsächlich wahr: Haltungsschäden durch einen zu schweren Schulranzen?

Borken. Die Sommerferien sind zwar noch nicht zu Ende, doch die Planungen für das neue Schuljahr laufen in vielen Familien bereits auf Hochtouren. Vor allem die i-Dötzchen können den Start in die Schule kaum noch erwarten und viele von ihnen haben bereits ihren Schulranzen griffbereit im Kinderzimmer stehen. Was die Kleinen freut, treibt so manchen Eltern Sorgenfalten auf die Stirn. Wie viel darf mein Kind eigentlich tragen? Kann ein zu schwerer Schulranzen zu Haltungsschäden führen?

„Genaue Studien zum Zusammenhang zwischen einem zu schweren Schulranzen und Rückenschmerzen bei Kindern gibt es nicht“, erkärt Dr. Jörg Daufenbach, leitender Fachbereichsarzt für konservative Wirbelsäulenorthopädie am St. Marien-Hospital Borken. „Allerdings ist es schon wahrscheinlich, dass bei einer bereits bestehenden Haltungsschwäche ein zu vollgepackter Ranzen durchaus zu Rückenschmerzen führen kann.“ Daher rät der Experte grundsätzlich den Kindern nicht mehr Bücher und Schulbedarf als für den jeweiligen Tag nötig mitzugeben, um so einen „Mülleimereffekt“ zu vermeiden. „Es gibt Empfehlungen, die besagen, dass das Gewicht des Ranzens zehn Prozent des Körpergewichtes des Kinders nicht dauerhaft überschreiten soll“, sagt Daufenbach. Außerdem sollte der Schwerpunkt des Ranzens möglichst nah am Körper liegen. Der Tornister sollte über beide Schulterblätter getragen werden, der Schulranzenrücken gut gepolstert sein und an mehreren Stellen am Rücken anliegen. Die Träger sollten verstellbar, dennoch fest sitzen und mindestens fünf Zentimeter breit sein.

„Fast noch wichtiger als das Gewicht und die Form des Ranzens ist jedoch, dass sich die Kinder ausgewogen ernähren und vor allem ausreichend bewegen“, so Daufenbach weiter. Denn häufig sei nicht eine Überbelastung durch zu schweres Tragen für Rückenschmerzen bei Kindern verantwortlich, sondern einfach Bewegungsmangel und damit verbunden eine zu schwache Rückenmuskulatur. „Die Rückenmuskulatur wird durch Bewegung trainiert. Sport ist ideal – aber jede Bewegung zählt“, so der Mediziner. Draußen mit den Freunden spielen, springen, klettern, schwimmen – jede Art von Bewegung helfe dabei, Haltungsschäden vorzubeugen.

 

Pressefoto: Dr. Jörg Daufenbach rät, den Schulranzen zum Schulstart nicht zu voll zu packen.

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