Medizin-Mythos oder tatsächlich wahr: Haltungsschäden durch zu einen zu schweren Schulranzen?

Bocholt. Die Sommerferien sind zwar noch nicht Ende, doch die Planungen für das neue Schuljahr laufen in vielen Familien bereits auf Hochtouren. Vor allem die i-Dötzchen können den Start in die Schule kaum noch erwarten und viele von ihnen haben bereits ihren Schulranzen griffbereit im Kinderzimmer stehen. Was die Kleinen freut, treibt so manchen Eltern Sorgenfalten auf die Stirn. Wie viel darf mein Kind eigentlich tragen? Kann ein zu schwerer Schulranzen zu Haltungsschäden führen?

„Ein zu schwerer Schulranzen alleine verursacht keine bleibenden körperlichen Schäden“, versichert Dr. Klaus Winter, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am St. Agnes-Hospital Bocholt. „Allerdings kann bei einer bereits bestehenden Haltungsschwäche ein zu vollgepackter Ranzen durchaus zu Rückenschmerzen führen.“ Daher rät der Experte grundsätzlich den Kindern nicht mehr Bücher und Schulbedarf als für den jeweiligen Tag nötig mitzugeben. Außerdem sollte der Schwerpunkt des Ranzens möglichst nah am Körper liegen. Der Tornister sollte über beide Schulterblätter getragen werden, der Schulranzenrücken gut gepolstert sein und an mehreren Stellen am Rücken anliegen. Die Träger sollten verstellbar, dennoch fest sitzen und mindestens fünf Zentimeter breit sein. „Fast noch wichtiger als das Gewicht und die Form des Ranzens ist jedoch, dass sich die Kinder ausgewogen ernähren und vor allem ausreichend bewegen“, so Winter weiter. Denn häufig sei nicht eine Überbelastung durch zu schweres Tragen für Rückenschmerzen bei Kindern verantwortlich, sondern einfach Bewegungsmangel und damit verbunden eine zu schwache Rückenmuskulatur. „Die Rückenmuskulatur wird durch Bewegung trainiert. Sport ist ideal – aber jede Bewegung zählt“, so der Mediziner. Draußen mit den Freunden spielen, springen, klettern, schwimmen – jede Art von Bewegung helfe dabei, Haltungsschäden vorzubeugen.

Pressefoto: Chefarzt Dr. Winter rät, den Schulranzen zum Schulstart nicht zu voll zu packen.

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