Wenn die neue Hüfte durchs „Schlüsselloch“ kommt

Im St. Agnes-Hospital Bocholt kommt seit einigen Tagen ein neues Verfahren bei der Operationen von Hüftgelenkprothesen zum Einsatz. Das Team um den neuen Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie, Dr. Bernd Hinkenjann, implantiert den künstlichen Hüftgelenkersatz mithilfe einer minimalinvasiven OP-Technik („Schlüsselloch-Operation“). Der Vorteil: Bei der Operation müssen keine Muskeln oder Sehnen mehr durchtrennt werden und der Patient profitiert von einem schnelleren Heilungsverlauf nach dem Eingriff.

Wenn Medikamente und Krankengymnastik nicht mehr helfen, sorgt ein künstliches Hüftgelenk für Schmerzfreiheit und neue Beweglichkeit. Der künstliche Hüftgelenkersatz ist heute eine der erfolgreichsten Operationen der Medizingeschichte. Doch auch wenn die Operation inzwischen Routine ist und viele Kliniken sie anbieten, handelt es sich dabei um einen komplizierten chirurgischen Eingriff, der vom Operateur ein sicheres Augenmaß und eine ruhige Hand erfordert. Auch wenn die Patienten meist schnell wieder „auf den Beinen“ sind, ist der Eingriff eine nicht zu unterschätzende Belastung. Bei traditionellen Operationstechniken muss der Chirurg zunächst einen Teil der Muskeln, die das Gelenk festigen und umgegeben, durchtrennen. Erst dann hat er freie Sicht auf das zu tauschende Gelenk. Nach dem Einsetzen des Gelenkersatzes werden die durchtrennten Muskeln wieder angenäht. Operationsfolgen können erhöhter Blutverlust, Schmerzen und muskuläre Einschränkungen sein.

Die neue minimal-invasive Operationstechnik im St. Agnes-Hospital verspricht hier Abhilfe. Der Hautschnitt über den das künstliche Hüftgelenk eingesetzt wird, ist zunächst mit sechs bis zehn Zentimetern nur noch halb so groß wie bei herkömmlichen Operationstechniken „Viel wichtiger als der Schnitt, ist jedoch was unter der Haut passiert“, erklärt Dr. Bernd Hinkenjann. Er hat eine klassische Operationstechnik so verfeinert, dass keine Muskeln und Sehnen mehr durchtrennt oder abgelöst werden müssen. Durch eine Lücke zwischen zwei Muskelgruppen erreicht der Bocholter Chefarzt das Gelenk, während er mit speziellen Operationsinstrumenten die Muskeln zur Seite hält.

Die Vorteile für die Patienten: Sie verlieren weniger Blut. Außerdem haben die Patienten direkt nach der Operation weniger Schmerzen und brauchen entsprechend weniger Schmerzmittel als traditionell Operierte. „In der Regel sind die Patienten auch schneller wieder beweglich, denn die geschonte Muskulatur ist bald wieder voll einsatzfähig“, erklärt Hinkenjann.

Wegen der minimalinvasiven Operation ist nur noch ein Krankenhausaufenthalt von zirka einer Woche erforderlich. Anschließend kann in einer ambulanten oder stationären Reha die Mobilität weiter verbessert werden.

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