Notfall

Angst vor der Narkose?

Der überwiegende Teil der operativen Eingriffe wird heutzutage unter Vollnarkose durchgeführt. Fast die Hälfte der Deutschen hat jedoch Angst vor dem künstlichen Schlaf. In vielen Fällen überwiegt diese Angst sogar der Furcht vor der eigentlichen Operation.

„Moderne Anästhetika sind in ihrer Steuerbarkeit mittlerweile so gut und zuverlässig, dass Ängste vor einer Narkose heutzutage weitgehend unbegründet sind“, erklärt Dr. Fabian A. Hottelet, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am St. Marien-Hospital Borken. Der Mediziner ist einer von derzeit 15 Anästhesisten im Borkener Krankenhaus. Hottelet erlebt immer wieder, dass Patienten sich vor einer bevorstehenden OP skeptisch hinsichtlich möglicher Gefahren und Nebenwirkungen der Narkose an ihn wenden. „Narkosen sind sichere Verfahren, die täglich millionenfach weltweit zur Anwendung kommen“, betont er. Allerdings, so Hottelet, gebe es Hinweise, dass Narkosemittel Einfluss auf das Gehirn nehmen können. Bei Hochbetagten beispielsweise kann unter bestimmten Umständen eine Gedächtnisschwäche verstärkt werden.

Im St. Marien-Hospital Borken verfolgen die Narkoseärzte daher eine wissenschaftlich bestätigte Strategie, die solche Nebenwirkungen minimiert. Wenn ein entsprechendes Risiko besteht, wird zunächst geprüft, ob eine Regionalanästhesie möglich ist. Dabei kann ein Arm, ein Bein oder Teile des Rumpfs ohne wesentliche Nebenwirkungen für den Organismus betäubt werden. Wenn eine Vollnarkose notwendig ist, werden besonders abgestimmte Medikamente eingesetzt. Zusätzlich leiten die Borkener Anästhesisten während der Narkose kontinuierlich die Hirnströme ab und können so die Schlaftiefe exakt bestimmen. Welche Form der Narkose letztlich zum Einsatz kommt, entscheidet sich anhand des medizinischen Eingriffes und der Krankengeschichte des jeweiligen Patienten.

„Jeder Patient wird von uns vor dem operativen Eingriff im Rahmen eines ausführlichen Narkosegespräches aufgeklärt. Hier haben wir die Gelegenheit, Informationen des Patienten zu Begleiterkrankungen, regelmäßig einzunehmenden Medikamenten und bestehenden Allergien zu erhalten, um die passende Medikation zu wählen“, erklärt Hottelet. „Der Patient wiederum kann seine Fragen zur Narkosevergabe stellen.“ Das Gespräch wird als Prämedikationsgespräch bezeichnet. Während dieses Gesprächs können dem Patienten oftmals schon viele Ängste genommen werden. „Hat der Patient dennoch große Sorge vor der Narkose, kann die Verabreichung eines Beruhigungsmittels zur Entspannung beitragen“, ergänzt der Experte.

Da hierzulande bei jedem chirurgischen Eingriff ein Anästhesist mit im Operationssaal steht, ist auch die Sicherheit einer Narkose höher als je zuvor. Auch dem Schreckensszenario, plötzlich während der Operation aufzuwachen, wird durch die Messung der Narkosetiefe und durch die ständige Überwachung von Atmung, Puls, Blutdruck, Körpertemperatur, Nierenfunktion und vieler weiterer Körperfunktionen vorgebeugt. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schluckbeschwerden nach dem Wiederaufwachen sind mittlerweile deutlich seltener als noch vor 20 Jahren. Seit 2019 erhalten die Patienten im Aufwachraum des Borkener Krankhauses bereits etwas zu trinken oder sogar ein Eis zum Lutschen.

Hottelet, der seit 2011 Chefarzt im St. Marien-Hospital ist, betreut mit seinem Ärzteteam Patienten auch im Hinblick auf die geeignete Schmerztherapie. „Eine häufig gestellte Frage von Patienten lautet: Werde ich nach der Operation Schmerzen haben?“, erklärt der Chefarzt. „Hier haben wir die Möglichkeit, Patienten vor einer Operation eine individuell angepasste Form der Schmerzlinderung zu empfehlen und zum anderen mittels Schmerzpumpen, Schmerzkatheter und besonders geschulte Mitarbeiter, starke Schmerzen zu minimieren.“

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