Notfall

Zentralisierung der Geburtshilfe am Standort Bocholt im Jahr 2022

Das Klinikum Westmünsterland hat sich als Krankenhausträger dazu entschlossen aus qualitativer und wirtschaftlicher Verantwortung heraus die stationäre gynäkologische Versorgung und den Schwerpunkt der Geburtshilfe im Süden des Kreises Borken zu konzentrieren. In gemeinsamer Tätigkeit werden die geburtshilflichen, gynäkologischen Teams aus Borken und Bocholt am St. Agnes-Hospital Bocholt tätig sein.

Die Zusammenführung der beiden gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilungen am Standort in Bocholt wird voraussichtlich Mitte 2022 erfolgen. 

FAQ zum Thema Konzentration der Geburtshilfe

Warum hat man sich zu diesem Schritt entschlossen?

Die Ansprüche an medizinische Qualität, Sicherheit der medizinischen Versorgung und die Organisation der Behandlungsabläufe steigen ständig. Gesundheitspolitiker und Krankenkassen rufen dazu auf – auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels – die Krankenhauslandschaft effizienter aufzustellen und die Versorgungsqualität zu verbessern. Dies wird auch in der aktuellen Krankenhausplanung oder in aktuellen Studien sichtbar.

In der Geburtshilfe wird gleichzeitig die Nachfrage aufgrund des demographischen Wandels in den kommenden Jahren sinken. Kleine Abteilungen erleiden bereits heute finanzielle Verluste, die sich zukünftig weiter verstärken werden. Hinzu kommt ein verschärfter Wettbewerb um Ärzte, Pflegekräfte sowie Hebammen und Geburtshelfer bei gleichzeitigem, verständlicherweise steigendem Anspruch der jungen Familien nach moderner medizinischer Versorgung auf höchstem Niveau und gleichzeitig auch nach mehr Komfort in der Unterbringung.

Welche Vorteile erhofft sich das Klinikum durch die Zusammenlegung?

Für die Schwangeren und Neugeborenen soll durch die Zentralisierung der Geburtshilfe für die kommenden Jahre eine hohe Qualität in der medizinischen und pflegerischen Versorgung gesichert werden. Die europäischen Nachbarländer zeigen eindrucksvoll positive Effekte, die durch eine Konzentration entstehen. Durch eine Bündelung der medizinischen und pflegerischen Kompetenz werden bessere Ergebnisse bei vergleichsweise niedrigeren Gesundheitsausgaben erreicht. Das Klinikum Westmünsterland ist durch die Reduzierung doppelter Vorhaltekosten in der Lage, besser in Personal und medizinische Infrastruktur zu investieren und so die Qualität in der Behandlung der Frauen und Neugeborenen auf ein neues und hoffentlich für Patienten wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktives Niveau zu heben.

Wird es auch zukünftig Angebote in Borken geben?

Für ambulante Angebote vor und nach der Geburt soll in Borken nach wie vor gesorgt bleiben. In Zusammenarbeit mit den bisher  in Borken tätigen Hebammen wird ein Konzept für Angebote zur Vor- und Nachsorge, Schwangerschafts- und Rückbildungsgymnastik, Stillberatungen und vielem mehr erarbeitet.

Geprüft wird auch die Möglichkeit der Weiterentwicklung des gynäkologisch-ambulanten Angebotes in Zusammenarbeit mit  niedergelassenen Fachärzten.

Wann wird die Abteilung in Borken geschlossen? Bis wann sind noch Geburten möglich?

Die Zusammenlegung ist erst für Mitte 2022 geplant. Solange werden wir alles dafür tun, dass Geburten in Borken weiterhin möglich sind und bei größtmöglicher medizinischer Sicherheit und in vertrauter familiärer Atmosphäre stattfinden können. Wir möchten in Bocholt erst konzeptionell, personell und auch baulich optimale Voraussetzungen für die Zusammenlegung schaffen, damit die Neugeborenen und ihre Familien in der neuen, größeren Struktur optimal aufgehoben sind..

Ist Bocholt überhaupt in der Lage die zusätzlichen Geburten zu betreuen?

Die Geburtshilfe in Bocholt ist in der Lage die zusätzlichen Geburten sicher und in familiärer Atmosphäre zu betreuen. Wir werden darüber hinaus die Kapazitäten erhöhen – das gilt nicht nur für die räumliche und bauliche Erweiterung, sondern auch für unser Personal. Das Borkener Team der Geburtshilfe wird gemeinsam mit ihren Bocholter Kolleginnen und Kollegen arbeiten.

Welche Rolle spielen die Sicherstellung der medizinischen Qualität und Strukturvorgaben bei der Entscheidung?

Gesundheitsexperten sind sich einig: Wir haben in der stationären medizinischen Versorgung große strukturelle Probleme in Deutschland. Es gibt zu viele kleine Kliniken, die nicht genug Erfahrungen für komplizierte Verläufe haben – darunter leide die Qualität in der Versorgung der Patienten. Auch für den Bereich der Geburtshilfe und Gynäkologie gilt diese Vermutung. Die Politik will durch Formulierung strenger Strukturvorgaben und die Einführung von Mindestmengen, verbunden mit strengen Sanktionen bei nicht Einhaltung, die Krankenhauslandschaft in Deutschland in Veränderung bringen. Ziel ist es, dass bestimmte medizinische Leistungen zukünftig nur noch an spezialisierten Zentren oder in größeren Fachkliniken erbracht werden.

Internationale Studien zeigen, dass sich auch in der Geburtshilfe die Qualität der Versorgung erhöht, wenn sie in größeren Einheiten stattfindet.

Schweden zum Beispiel, hat heute nach einer starken Zentralisierung der Geburtskliniken hervorragende Pränataldaten. Insgesamt existieren in Schweden heute nur 42 Geburtskliniken. Deutschland hat ein sehr dichtes Netz von zuletzt mehr als 700 Geburtskliniken, das nächste Krankenhaus ist nie weit – trotzdem ist die Qualität in der Versorgung in Schweden signifikant besser.

Frühchen-Versorgung

Trotz des engmaschigen Kliniknetzes in Deutschland kommen hierzulande seit Jahren im Verhältnis deutlich mehr Kinder vor ihrer Zeit auf die Welt als in Schweden, dabei kann jede Woche zu früh die neurologische Entwicklung der Kinder beeinträchtigen.

Säuglingssterblichkeit

Zwar sterben auch bei uns nur noch sehr wenige Babys, 2015 waren es 3,3 Promille der Neugeborenen. Doch zeigen auch hier die nordeuropäischen Nachbarn, dass es noch besser geht: In Schweden waren es 2,5 Promille, in Finnland 1,7. Bei mehr als 700.000 Neugeborenen bedeutet dieser vermeintlich kleine Unterschied, dass pro Jahr mehr als 1.000 weitere Säuglinge in Deutschland überleben würden, wenn man zu den skandinavischen Ländern aufschließen könnte.

Welche Rolle spielt die geographische Nähe in Bezug auf Qualität und Sicherheit?

Das Klinikum Westmünsterland möchte den werdenden Familien sowohl eine intime Geburt in Geborgenheit und Wohnortnähe, aber auch größtmögliche medizinische Sicherheit bieten.

Für werdende Mütter ist es natürlich sehr wichtig, dass sie sich unter der Geburt wohlfühlen. Wenn werdende Mütter sich sorgen, dass sie aufgrund der Anreisedauer das Krankenhaus nicht mehr rechtzeitig erreichen, kann sich das negativ auf den Geburtsverlauf und somit auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Insofern kann eine wohnortnahe Schwangerenversorgung einen direkten positiven Einfluss auf die Gesundheit des Kindes haben. Das gilt jedoch nur, solange die Geburt reibungslos verläuft. Wenn es bei einer Geburt in einer kleinen, wohnortnahen Klinik zu Komplikationen kommt, denen diese Klinik mit ihren Ressourcen nicht begegnen kann, dann ist das ein Problem.

Eltern können im Vorfeld nicht unbedingt einschätzen, ob die Geburt ihres Kindes so riskant sein könnte, dass sie aus diesem Grund in ein Geburtszentrum fahren sollten, das auf Notfälle eingerichtet ist. Zudem kann es auch bei einer Geburt, die im Vorfeld als risikoarm eingeschätzt wurde, zu Komplikationen kommen. Wenn sich Eltern für eine Klinik entscheiden, dann müssen sie auch sicher sein können, dass Mutter und Kind dort optimal betreut werden – auch im Notfall.

Mit der Zentralisierung der Geburtshilfe in Bocholt möchten wir das auch für die Zukunft sicherstellen.

Die Entfernung zur nächsten Geburtshilfe wird sich für die Borkenerinnen erhöhen. Ist das nicht ein großes Risiko für die Schwangeren und die Neugeborenen?

In der Geburtshilfe kommt es selten auf Minuten an, sondern auf Erfahrung und Routine. Die Sicherheit einer Geburt hängt nicht allein von der Länge des Fahrtweges bis zur nächsten Klinik ab, sondern vor allem von anderen Faktoren, wie der personellen Ausstattung der Entbindungsklinik, der Erfahrung der Hebammen und Ärzte, der medizintechnischen Ausstattung oder der Verfügbarkeit einer Neonatologie und von Kinderärzten. Bisher musste in Borken in Notfällen ein Neonatologe oder Kinderarzt nach Borken kommen und das kranke Neugeborene dort zur weiteren Behandlung abholen – diese Fahrtzeit wird zukünftig entfallen und wertvolle Zeit gespart.

Führt Spezialisierung und die Behandlung in Zentren tatsächlich zu einer sicheren Geburt?

Die europäischen Nachbarländer zeigen, dass es diese Effekte tatsächlich gibt – es werden bessere Ergebnisse bei vergleichsweise niedrigeren Gesundheitsausgaben erreicht. Das Klinikum Westmünsterland ist durch die Reduzierung doppelter Vorhaltekosten ebenfalls in der Lage, mehr in Personal und medizinische Infrastruktur zu investieren und so die Qualität in der Behandlung der Frauen und Neugeborenen auf eine neues Niveau zu bringen.

Was versteht das Klinikum unter dem sogenannten "Versorgungsdreieck"?

Zusammen mit dem Perinatalzentrum Level 1 in Coesfeld, als Kooperationspartner, bilden die beiden geburtshilflichen Abteilungen in Ahaus und Bocholt ein Versorgungsdreieck im westlichen Münsterland, dass die gesamte Spannbreite der Versorgungsstufen abdeckt. Von der Geburtsklinik (Ahaus), über die Versorgung von Risikoschwangerschaften und Frühgeborenen über 1500 Gramm (Bocholt) bis hin zur Versorgung extrem frühgeborener Kinder unter 1500 Gramm (Coesfeld).

Welche Angebote im Bereich der Risiko-Geburtshilfe und perinatalen Versorgung gibt es in Bocholt?

Die Geburtshilfe in Bocholt ist zusammen mit der Kinderklinik als perinataler Schwerpunkt anerkannt. Das bedeutet, dass das gesamte Team auf die Versorgung Neu- und Frühgeborener aber auch von Risikoschwangerschaften spezialisiert ist. Die Leitung des neonatologischen Intensivbereichs ist durch erfahrene Neonatologen gewährleistet. Es stehen neonatologische Intensivtherapieplätze zur Verfügung, eine 24-stündige Arztpräsenz im Bereich der Intensivbehandlung, in der Frühgeborenenmedizin sind qualifizierte Ärzte im Hintergrunddienst und alle diagnostischen Verfahren einschließlich Echokardiografie und EEG sind jederzeit verfügbar. Es können Frühgeborene ab einem voraussichtlichen Geburtsgewicht von 1.500 Gramm, schwere schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen, insulinpflichtige diabetische Stoffwechselstörung mit vitaler Gefährdung und selbstverständlich alle kranken Neugeborenen behandelt werden. Auch die in seltenen Einzelfällen notwendige Weiterleitung in ein Perinatalzentrum der Versorgungsstufe 1 ist durch eine Kooperation geregelt.

Warum spielt die Facharztgewinnung eine Rolle bei der Entscheidung?

Eine gute Qualität in der Versorgung erreicht man nur mit ausreichend gut qualifiziertem Fachpersonal. Überzeugende Konzepte und eine Abteilungsgröße, die die gesamte Palette der Weiterbildung der Gynäkologie und Geburtshilfe und alle modernen Versorgungsformen beinhaltet, sind für ambitionierte Fachkräfte attraktiv. In einer größeren zukunftsträchtigen Struktur, die von der natürlichen geburtshilflichen Versorgung bis zum perinatalen Versorgungsschwerpunkt reicht, einem zertifizierten Brustzentrum und dem zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrum, können für junge Mediziner bessere ärztliche Weiterbildungsangebote und Entwicklungsperspektiven geschaffen werden. Somit wird die Gynäkologie und Geburtshilfe im Südkreis auch für den ärztlichen Nachwuchs als Arbeitgeber sowohl für die jetzigen Mitarbeiter wie auch künftige Bewerber interessanter.

Für die Facharztweiterbildung zum Beispiel bietet das Klinikum zukünftig ein breites und attraktives Spektrum: neben der vollen Weiterbildungsbefugnis für die Frauenheilkunde und Geburtshilfe über 60 Monate haben junge Medizinerinnen und Mediziner auch die Möglichkeit der Weiterbildung in der Schwerpunktkompetenz Gynäkologische Onkologie unter Anwendung minimal-invasiver Verfahren – alles an einem Standort. Auch die spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin mit Risikoschwangerenbetreuung gehören zu den Aufgabenfeldern der jungen Ärztinnen und Ärzte.

Welche Rolle spielt der Hebammenmangel bei der Entscheidung?

Seit langem fordern Hebammen in Deutschland bessere Arbeitsbedingungen, besseren Lohn und bezahlbare Versicherungsbeiträge. Mit der Festanstellung aller Hebammen hat das Klinikum einen wichtigen Beitrag für attraktivere Arbeitsbedingungen bereits sehr früh geleistet. Dennoch müssen auch wir weiterhin massive Anstrengungen unternehmen, um der allgemeinen Personalnot entgegen zu wirken. Durch die beabsichtigte Konzentration der Geburtshilfe an einem Standort wird das geburtshilfliche Angebot auch für die Hebammen attraktiver und wir können weiter daran arbeiten, die bestehende Versorgungsqualität zu verbessern sowie krankheitsbedingte Ausfälle im Personal zu kompensieren.

Unsere Ziele sind:

  • verbindliche Dienstbesetzung (2-2-2 Modell)
  • 1:1 Betreuung unter der Geburt
  • höhere Betreuungsqualität und -intensität

Weniger kleine Geburtskliniken sind – und das sagen inzwischen sogar viele Hebammen – auch ein gangbarer Weg, um die Mitarbeiter zufriedener zu machen und so die Hebammennot zu lindern. Denn wenn Kliniken keine Hebammen mehr finden, liegt das nicht daran, dass es heute weniger Hebammen gibt. Selbstbestimmte Arbeitsweise und Zeit für Familie und Freizeit ist wichtiger als früher, und so konzentriert sich manche Hebamme auf die Vor- und Nachbetreuung der Frauen, und immer mehr arbeiten nur noch Teilzeit in der Klinik. In großen Teams aber können Dienste gerechter verteilt werden, auch der Krankheitsfall der Kollegin wird besser abgefedert. Neben der Qualität ist damit die Personalnot ein wichtiges Argument für größere Geburtskliniken. Mit einer größeren, gut ausgelasteten und damit auch profitableren Geburtshilfe ist auch das Klinikum Westmünsterland zukünftig in der Lage, besser Personal zu gewinnen, damit nicht eine Hebamme mehrere Geburten gleichzeitig betreuen muss.

Warum findet die Zentralisierung in Bocholt statt und nicht Borken?

Mit knapp 500 Geburten im Jahr gehört Borken zu den kleinen Geburtshilfen in Deutschland. Wenn man jetzt überlegt, dass es Tage gibt, an denen zwei und mehr Kinder zur Welt kommen, kann es durchaus vorkommen, dass auch an einigen Tagen infolge keine Geburt stattfindet. Dennoch bleibt der Personalschlüssel für das Haus der gleiche, da wir ja jederzeit damit rechnen müssen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass junge Ärzte und Ärztinnen die Auslastung als zu gering empfinden und nach anderen Arbeitsplätzen suchen.

In Bocholt haben wir zurzeit etwa doppelt so viele Geburten. Und der Unterschied bei der Anzahl der Geburten ist in den letzten Jahren ziemlich konstant geblieben. Jetzt müssen wir in Zukunft 500 Familien überzeugen, in einer anderen Stadt ihre Kinder zur Welt zu bringen. Und wir wissen, das ist alles andere als leicht. Umgekehrt müssten wir doppelt so viele Menschen überzeugen.

Die Geburtshilfe ist zudem nur ein Teilgebiet des Fachbereichs der Gynäkologie. Das heißt, dass die hier arbeitenden Ärzte und Ärztinnen sich nicht nur um die Entbindungen und Versorgung der Schwangeren kümmern, sondern auch in anderen Bereichen der Frauenheilkunde tätig sind. Dazu gehört unter anderem auch der Bereich der onkologischen Gynäkologie – also die Behandlung von Krebserkrankungen bei der Frau. Hier liegt der Schwerpunkt mit dem Gynäkologischen Krebszentrum und dem Brustzentrum bereits seit vielen Jahren in Bocholt. Die Experten sind hier vor Ort und die notwendige medizinische Infrastruktur für diese Bereiche steht hier bereit. Hinzu kommt, dass es nur in Bocholt eine eigene Kinderklinik mit dem für die Geburtshilfe wichtigen Teilbereich der sogenannten Neonatologie gibt. Das heißt: In Bocholt können auch frühgeborene Kinder versorgt werden.

Kann man die Geburtshilfe nicht einfach in Borken belassen und die restlichen gynäkologischen Bereiche nach Bocholt verlagern?

Die Geburtshilfe ist ein Teilgebiet des Fachbereichs der Gynäkologie. Das heißt, dass die hier arbeitenden Ärzte und Ärztinnen sich nicht nur um die Entbindungen und Versorgung der Schwangeren kümmern, sondern auch in anderen Bereichen der Frauenheilkunde tätig sind.

Dazu gehört unter anderem auch der Bereich der onkologischen Gynäkologie – also die Behandlung von Krebserkrankungen bei der Frau. Hier liegt der Schwerpunkt mit dem Onkologischen Zentrum, dem kooperativen Brustzentrum Bocholt-Ahaus, der Strahlentherapie, der Pathologie und den supportiven Diensten seit vielen Jahren in Bocholt. Auch für die Gynäkologischen Tumore stehen im Gynäkologischen Krebszentrum Westmünsterland die Experten und die notwendige medizinische Infrastruktur für diese Bereiche vor Ort in Bocholt bereit.

Für acht medizinische Leistungen gibt es bislang durch den gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gesetzlich festgelegte Mindestmengen. Hinzu kommen weitere Mindestmengen, die sich aus Zertifizierungsvorgaben bereits heute ergeben (z.B. im Brustzentrum). Bald könnten vor allem im Bereich der onkologischen Gynäkologie weitere hinzukommen. Nur durch die Konzentrierung bestimmter Fachlichkeit an einem Standort kann es gelingen, diese Leistungen auch dauerhaft wohnortnah im Kreis Borken anbieten zu können.

Welche Fachabteilungen wird es zukünftig in Borken geben?

Die Neurologie, inklusive der Stroke Unit, die Plastische Chirurgie und die Geriatrie sind drei fachlich hervorragende Schwerpunktabteilungen des St. Marien-Hospitals. Mit allen drei Abteilungen besetzen wir Fachlichkeiten, die es in der Region nur in Borken gibt. Hinzu kommen sehr gut aufgestellte Abteilungen wie die Orthopädie und Unfallchirurgie, inklusive Traumazentrum und Endoprothetikzentrum, die Allgemein- und Viszeralchirurgie und die Innere Medizin. Geplant ist, die Geriatrie, die Plastische Chirurgie und die Neurologie weiter auszubauen – das heißt, kein Bett soll in Borken wegfallen. Im Gegenteil: Aktuell läuft ein Antragsverfahren, die Bettenzahl in Borken darüber hinaus weiter zu erhöhen. Kurzfristig möchten wir außerdem ein Zentrum für Schilddrüsenchirurgie, ein Zentrum für Refluxerkrankungen sowie eine neurologische Frührehabilitation in Borken etablieren und den Standort damit weiter ausbauen und stärken.

Allgemein- und Viszeralchirurgie
NEU: Schwerpunkt für Schilddrüsenchirurgie
Schwerpunkt für chirurgische Koloproktologie

Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

Geriatrie mit geriatrischer Tagesklinik

Innere Medizin
NEU: Refluxzentrum (gemeinsam mit Allgemeinchirurgie)

Neurologie mit Stroke Unit
GEPLANT: Neurologische Frührehabilitation

Orthopädie, Unfallchirurgie, Wirbelsäulenchirurgie
Endrothesenzentrum der Maximalversorgung, Traumazentrum
Alterstraumatologisches Zentrum (gemeinsam mit der Geriatrie)

Plastische, ästhetische und Handchirurgie

Radiologie

Wie viele Geburten gab es im letzten Jahr in Borken und in Bocholt?

In Bocholt wurden im vergangenen Jahr 989 und in Borken 478 Kinder geboren. Damit gehört das St. Marien-Hospital zu den kleinen Geburtskliniken in Deutschland. Experten sind sich einig: Zukünftig werden es geburtshilfliche Abteilungen unter 700 Geburten sehr schwer haben, die gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen, ausreichend Fachpersonal zur Verfügung stellen zu können und wirtschaftlich überlebensfähig zu bleiben.

Die Geburtshilfe in Borken arbeitet seit Jahren nicht wirtschaftlich. Warum gab es jetzt den Entschluss zur Zusammenlegung?

Kleine geburtshilfliche Abteilungen mit einer Geburtenzahl unter 700-800 Geburten im Jahr erwirtschaften in der Regel Verluste. Dies liegt daran, dass die Vergütungen für die Geburten nicht auskömmlich sind. Diese dauerhaften Verluste zu kompensieren ist für das Klinikum Westmünsterland nicht leicht. Aber die Entscheidung beruht nicht allein auf wirtschaftlichen Argumenten. Es geht uns darum, langfristig eine qualitativ hochwertige Versorgung schwangerer Frauen sicherstellen zu können. Und dafür müssen wir unsere Kräfte bündeln. Denn nur wenn wir eine ausreichend hohe Geburtenzahl haben, können wir Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Pflegekräfte gewinnen. Schon jetzt haben wir Probleme, wenn krankheitsbedingt Personal ausfällt.

Gerade im ärztlichen Bereich möchten junge Medizinerinnen und Mediziner sich weiterentwickeln und Erfahrungen sammeln, um sich später auf die Stelle eines Oberarztes bewerben zu können. Das ist in der jetzigen Form kaum möglich. Die räumliche Nähe zu Münster und zum Ruhrgebiet hat außerdem zur Folge, dass die Ärztinnen und Ärzte viele Angebote erhalten, die äußerst attraktiv sind.

Was passiert mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Borken?

In Borken arbeiten etwa sechzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gynäkologie und Geburtshilfe: Hebammen, Ärzte und Ärztinnen, Pflegekräfte und Sekretärinnen. Wir wünschen uns, dass jeder einzelne von ihnen auch weiterhin für das Klinikum Westmünsterland arbeitet. Denn all diese Menschen haben in Borken einen klasse Job gemacht. Wir brauchen sie, um gemeinsam eine starke Geburtshilfe in der Region zu verankern und auszubauen. Wir hoffen, dass gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Borken uns dabei unterstützen, die Menschen zu überzeugen, ihre Kinder zukünftig in Bocholt zur Welt zu bringen. Wir werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eng in die Vorbereitung der neuen Konzepte und Räumlichkeiten einbinden. Für einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wird sich der Arbeitsort ändern – aufgrund der geographischen Nähe von Bocholt und Borken ist dies jedoch für die meisten kein Problem. In Fällen, in denen ein Wechsel des Arbeitsortes aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, werden wir gemeinsam eine Lösung suchen.

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