Notfall

Doppelt neue Hüfte

Bocholt. Patienten mit Hüftproblemen haben oft einen langen Leidensweg hinter sich. Bei hochgradigem Verschleiß eines Gelenkes bleibt als Behandlungsoption manchmal nur noch der künstliche Ersatz des Gelenkes. Die Entscheidung zu diesem Schritt ist gewichtig – besonders für Patienten, die noch im Berufsleben stehen. Neben den abzuwägenden Risiken für eine Operation mit Vollnarkose spielt die lange Ausfalldauer eine Rolle. Insbesondere bei Hüftpatienten, die aufgrund einer beidseitigen Problematik häufig innerhalb eines kurzen Zeitraumes gleich zwei OPs mit entsprechenden Ausfallzeiten haben. Beidseitig extreme Schmerzen und die Aussicht auf eine zweite Operation innerhalb eines Jahres haben bei der Bocholter Patientin Marion Laws jetzt zu der eher ungewöhnlichen Entscheidung geführt, direkt beide Hüftgelenke durch Prothesen ersetzen zu lassen.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, denn beide Gelenke auszutauschen bedeutet nicht nur einen größeren Eingriff mit längerer Operationszeit, sondern erfordert auch eine gute Allgemeinverfassung des Patienten, eine engmaschigere Betreuung und eine intensivere Reha-Zeit“, erläutert Dr. Bernd Hinkenjann, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie, das Für und Wider eines solchen Eingriffs. „Große Schmerzen bei Frau Laws vor dem Eingriff und die Abwägung, dass der postoperative Schmerz nicht größer sein wird als der bestehende, haben letztendlich zu der Entscheidung geführt“, so Dr. Hinkenjann weiter.

Der Entschluss beide Hüftgelenke idealerweise innerhalb einer Operation auszutauschen ist gemeinsam mit der Patientin vor dem Eingriff gefallen. Dennoch haben erst während der Operation der komplikationsfreie Austausch des ersten Hüftgelenks, der geringe Blutverlust und der stabile Zustand der Patientin zu der finalen Entscheidung geführt, das zweite Gelenk innerhalb der gleichen Operation zu ersetzen.

„Ich freue mich über das gute Ergebnis und die enge Betreuung nach meiner Operation“, so die 60-Jährige. „Ohne die Entscheidung, beide Hüftgelenke ersetzen zu lassen, hätte ich wahrscheinlich noch in diesem Jahr ein zweites Mal wieder herkommen müssen. So falle ich auch in meinem Job nur einmal aufgrund von OP und Reha aus.“

Hintergund:
Der künstliche Hüftgelenkersatz ist eine der erfolgreichsten Operationen der Medizingeschichte. Die Implantate haben heute Standzeiten von zwanzig und mehr Jahren. Der Abrieb wurde durch bessere Werkstoffe immer weiter minimiert, so dass Lockerungen nur noch selten vorkommen. Immer wichtiger wird daher die Operation selber. Die Prothesen müssen millimetergenau geplant und implantiert werden. Bei der Operation soll das gelenkumgebende Gewebe soweit wie möglich geschont werden. Wir legen daher ganz besonderen Wert auf eine weichteilschonende, minimalinvasive OP-Technik bei der wir keine Muskeln mehr durchtrennen müssen. Durch den „direkten vorderen Zugang“ (engl. DAA, direct anterior approach) zum Hüftgelenk an der Vorderfläche des Oberschenkels gelingt uns das in ganz besonderem Maße. Dieser Zugang ist der einzige Weg zum Hüftgelenk, der sowohl die Muskeln als auch die Nerven schont, die das Hüftgelenk umgeben. Bei allen anderen Zugängen müssen entweder Muskeln oder kleinere Nerven durchtrennt werden um das Hüftgelenk freizulegen.

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