Ein Schrittmacher gegen chronische Schmerzen

Borken. Seit 2012 bietet die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Borkener St. Marien-Hospital die rückenmarksnahe elektrische Stimulation an. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, ähnlich dem Herzschrittmacher, das im Fettgewebe der Patienten implantiert wird und elektronische Reize zur Schmerzlinderung aussendet. Jetzt wird die erfolgreiche Therapie, die bisher nur bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen nach wirbelsäulenchirurgischen Eingriffen zum Einsatz kam, erweitert. Seit kurzem können auch Patientinnen und Patienten davon profitieren, die unter anhaltenden Nervenschmerzen nach chirurgischen Eingriffen (z.B.  Operation einer Leistenhernie, Einsatz einer Hüft-/Knieprothese, Operationen am Fuß) und diabetischen Neuropathien leiden. Ebenso findet sie Anwendung bei Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, die im Volksmund auch „Schaufensterkrankheit“ genannt wird.

Die Behandlung erfolgt in der, seit Jahresanfang bestehenden Kooperation mit dem niedergelassenen Orthopäden Dr. Carlo Quagliotto. Er war seit 2016 als Orthopäde im Borkener Krankenhaus tätig und hat dort den Einsatz der elektrischen Stimulation erlernt. In den letzten Jahren spezialisierte er sich, im Rahmen von zahlreichen, zum Teil internationalen Weiterbildungen und schult nun selber Ärzte in anderen Kliniken und Arztpraxen. Dr. Levent Özokyay, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie freut sich sehr, dass er einen ausgewiesenen Experten für die Erweiterung des Angebotes für Schmerzpatienten gewinnen konnte: „Zu uns kommen Patienten, die schon lange krank sind und chronische Schmerzen haben. Das sind Schmerzen, die schon mindestens drei bis sechs Monate anhalten. Die Patienten wurden schon behandelt und haben meisten einen langen Leidensweg hinter sich. Es wurde also schon sehr viel versucht, um die Schmerzen zu lindern. Aber irgendwann kommt man nicht weiter. Und hier kann die elektrische Stimulation ein guter weiterer Ansatz sein.“

Dr. Carlo Quagliotto, der seine Patienten vom ersten Praxisbesuch bis hin zur Nachbehandlung begleitet, hat in den letzten zwei Jahren bereits 17 Schrittmacher implantiert. „Es muss genauesten geprüft werden, für wen die Methode geeignet ist. Hierfür gibt es genaue Indikationen die komplett erfüllt werden müssen. Nur dann werden die Kosten für die Behandlungsmethode auch von den Krankenkassen übernommen.“ Besonders stolz ist Quagliotto auf die neueste Möglichkeit der virtuellen Steuerung. So hat er auf seinem IPad einen virtuellen Zugriff auf das Implantat seiner Patienten um die Daten auszuwerten oder die Programmierung des Implantats anzupassen – natürlich nur mit Einverständnis seiner Patientinnen und Patienten!

Wie funktioniert die elektrische Stimulation?
Die Durchführung erfolgt im Rahmen einer kurzen stationären Aufnahme und ohne Vollnarkose. Nur unter lokaler Betäubung legt der Operateur eine Sonde in die Wirbelsäule auf das Rückenmark. Danach wird der Patient, ausgerüstet mit einem externen Steuerungsgerät, für eine Woche nach Hause entlassen. Dieses Gerät sorgt bereits für eine elektrische Stimulation und der Patient hat die Möglichkeit durch manuelle Justierung, eine optimale Schmerzfreiheit zu erreichen. Die ermittelten Daten werden gespeichert und nach ca. einer Woche ausgewertet. Die Werte dienen der Programmierung des eigentlichen Aggregates, welches im Rahmen einer zweiten Krankenhausübernachtung dem Patienten in umliegendes Fettgewebe implantiert wird. Aber auch danach können die Einstellungen, durch den Patienten selbst per Fernbedienung, durch das Krankenhaus und neuerdings auch per App durch den Arzt aus der Ferne justiert werden.

Zum Archiv