Notfall

Geburten in Zeiten von Corona

Die aktuelle Pandemie wirbelt den Alltag in Krankenhäusern derzeit durcheinander. Auch die Geburtshilfe ist durch das Coronavirus beeinträchtigt und verunsichert viele werdende Mütter und Väter, die eigentlich voller Vorfreude dem Geburtstermin entgegensehen. Die Geburtshilfe im St. Marien-Krankenhaus Ahaus versucht, allen Schwangeren und ihren Familien so viel Normalität wie möglich zu bieten.

„Besonders die Frage, ob werdende Väter bei der Geburt auch dabei sein dürfen, bekommen wir seit dem Beginn der Pandemie und der Einschränkung von Besuchsregeln im Krankenhaus am häufigsten gestellt“, verrät Sabine Schumann. Die leitende Hebamme am St. Marien-Krankenhaus kann vielen Schwangeren mit der Beantwortung dieser Frage bereits die Grundsorge nehmen, den Geburtsprozess ohne Begleitung durchlaufen zu müssen. „Für uns ist es von essentieller Bedeutung, dass bei der Geburt eine Begleitperson mit anwesend ist, sobald die werdende Mutter in den Kreißsaal kommt.“ Auch nach der Geburt gibt es für den frischgebackenen Papa die Möglichkeit, Frau und Neugeborenes im Rahmen von Besuchszeiten im Krankenhaus zu besuchen.

Nichtsdestotrotz wurden in der Ahauser Geburtshilfe viele Abläufe infolge von COVID19 umgestellt. So sind Geburtsvorbereitungskurse derzeit einzig in digitaler Form möglich und eine Vielzahl von Informationen online abrufbar. Hierzu zählt die obligatorische Kreißsaalführung, die nun wie auch eine Sammlung häufig gestellter Fragen in Videoform auf der Webseite der Geburtshilfe des Klinikums oder auf Youtube zu finden ist. Neben diesem erweiterten digitalen Informationsangebot bieten die telefonische Anmeldesprechstunde sowie das ärztliche Geburtsplanungsgespräch, das weiterhin vor Ort stattfindet, ebenfalls die Gelegenheit, Fragen und Unklarheiten zu klären.

In der Abteilung der Geburtshilfe selbst sorgen ein strenges Abstrichmanagement, die Corona-Hygienemaßnahmen, Schutzkleidung und das geimpfte Personal an Ärzten, Hebammen und Pflegekräften für den größtmöglichen Schutz vor einer Infektion mit dem Virus. „Um Schwangeren in den Wehen die Atmung zu erleichtern, dürfen sie den Mund-Nasen-Schutz in Fällen, in denen die Maske das Atmen erschwert, auch ablegen“, erklärt Schumann. Da bereits zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme ein Abstrich der werdenden Eltern erfolgt und das Testergebnis innerhalb kürzester Zeit vorliegt, wird das Ansteckungsrisiko somit sehr gering gehalten.

Sollte bei einer Schwangeren eine COVID19-Infektion vorliegen, ist selbstverständlich auch in diesem Fall für das Wohl von Mutter und Kind gesorgt. Die Geburt erfolgt dann in einem speziell für solche Fälle vorgesehenen Kreißsaal. Da auch weiterhin die Anwesenheit einer Begleitperson sowie die Betreuung einer Hebamme ermöglicht wird, müssen auch positiv getestete Personen keinerlei Beeinträchtigungen im Geburtsvorgang hinnehmen. „In den vergangenen Monaten hatten wir auf unserer Station tatsächlich schon den Fall, dass eine Frau mit einer Corona-Infektion geboren hat“, berichtet Schumann. „Nach der Geburt kommen die Frauen dann auf die COVID-Station des Krankenhauses.“ Auch bei einem positiven Testergebnis wird gewährleistet, dass Mutter und Kind nach der Geburt nicht getrennt werden. „Wir legen großen Wert auf das sogenannte Bonding unmittelbar nach der Geburt. Daher vernachlässigen wir den direkten Hautkontakt zwischen der Mutter und dem Neugeborenen auch bei einer bekannten Infektion der Mutter nicht“, erklärt die Hebamme.

Die eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten während der Corona-Pandemie haben zudem einen positiven Nebeneffekt: „Durch die ausbleibenden Besucherströme erhalten wir die Rückmeldung, dass das Stillen deutlich besser klappt und die Frauen und Neugeborenen mehr zur Ruhe kommen“, so Schumann.

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