Notfall

Stillambulanz – Hilfe und Beratung für Mütter

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt. Etwa 90 Prozent aller Mütter stillen ihr Kind direkt nach der Geburt. Zwei Monate später geben allerdings 70 von 100 Müttern ihrem Nachwuchs die Flasche. Dies geschieht oft aufgrund von Stillproblemen, die unterschiedliche Ursachen haben können. Viele Unstimmigkeiten können gelöst werden mit Hilfe der Expertinnen der Stillambulanz im St. Marien-Krankenhaus Ahaus.

Stillen – die natürliche Versorgung des Säuglings mit Muttermilch aus der Brust – verbindet zwei elementare Vorzüge: Die bestmögliche Ernährung des Babys in den ersten Lebensmonaten mit dem Aufbau einer besonders innigen Beziehung zwischen Mutter und Kind. Stillen soll nicht nur „den Hunger stillen”, sondern außerdem das Bedürfnis nach Wärme und Zuneigung. Unmittelbar nach der Geburt ist ungestörter Haut-zu-Haut-Kontakt des Neugeborenen auf dem Bauch der Mutter optimal. Die Brustwarze findet das Baby in den ersten ein bis zwei Stunden nach der Geburt ohne weitere Hilfe. Es dockt selbstständig an und beginnt zu saugen, wenn ihm Zeit dazu gelassen und es nicht gestört wird. Jedes Baby ist anders und braucht seinen eigenen Rhythmus.

„Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe in der richtigen Qualität und Menge, also die richtigen Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine, die ein Säugling für sein gesundes Gedeihen braucht“, erklärt Elisabeth Rewers, Stationsleitung der Geburtenstation im St. Marien-Krankenhaus Ahaus. Muttermilch ist sozusagen das beste „Fast Food“ für die kleinen Erdenbürger. Sie ist leicht verdaulich und passt sich den wachsenden Nahrungsbedürfnissen des Säuglings an. Wie oft gestillt wird, richtet sich nach dem Bedarf des Babys. Neugeborene haben einen kleinen Magen und brauchen häufige kleine Mahlzeiten. Acht bis zwölf Mal stillen in 24 Stunden oder auch öfter sind daher keine Seltenheit. Das Saugen setzt im Körper der Mutter zwei für das Stillen wichtige Hormone frei: Prolaktin, das für die Milchbildung sorgt und Oxytocin, das die Milchfreigabe bewirkt. Dass die Milch zu fließen beginnt, spüren manche Mütter an einem Kribbeln oder einem Wärmegefühl in der Brust. Und ob alles gut läuft, erkennt man daran, dass das Kind zufrieden saugt und schluckt.

Im St. Marien-Krankenhaus Ahaus besteht die Möglichkeit, das Neugeborene im Zimmer der Mutter unterzubringen („Rooming-in“). Hierdurch können Mütter ihr Baby immer bei sich haben und es nach Bedarf stillen. „Das Rooming-in hilft dabei, sich gut aufeinander einzuspielen. Es erleichtert zudem, Sicherheit und Selbstvertrauen im Umgang mit dem Baby zu finden“, weiß Kinderkrankenschwester Barbara Schlinge, die auf der Geburtenstation auch als ausgebildete Still- und Laktationsberaterin regelmäßig zum Einsatz kommt. Sie ist Teil eines größeren Expertinnen-Teams, welches für die Säuglinge und die Wöchnerinnen zuständig ist. Das Ziel ist es, dass die Geburt und die ersten Tage für die kleine neue Eltern-Kind-Einheit in einem geschützten, babyfreundlichen Kontext stattfinden kann. Hierbei profitieren die Mütter von einem eingespielten Team aus erfahrenen Ärzten, Hebammen und den Mitarbeitenden auf der Wochenstation. Der Fokus liegt hier auf der individuellen pflegerischen und medizinischen Begleitung, ohne den eigenen Rhythmus von Mutter und Kind zu stören.

Entscheidend ist, dass den Müttern zwei Punkte bewusst sind, um sich nicht unter Druck zu setzen, rät Stephanie Heidemann, die als ausgebildete Still- und Laktationsberaterin ebenfalls auf der Station tätig ist: “Stillen ist ­keine angebo­rene, intuitive Fähigkeit, sondern muss erlernt werden. Und Stillen ist Arbeit. Das zu wissen hilft, mögliche Stillprobleme nicht als persön­liche Niederlage zu sehen und nicht gleich aufzugeben.” Bei jeglichen Fragestellungen und Problemen, egal ob vor, während oder nach der Geburt, ist die Stillambulanz im St. Marien-Krankenhaus Ahaus die richtige Anlaufstelle. Zwei Mal in der Woche (dienstags und freitags von 9:00 bis 12:00 Uhr) können in der Ahauser Stillambulanz Gespräche mit den Still- und Laktationsberaterinnen geführt werden. In Einzelsitzungen wird zum Beispiel über Fütterungsprobleme, Stillpositionen, Milchstau oder weitere Ernährungsformen (auch Beikost) gesprochen. Das kompetente Stationsteam steht während des Klinikaufenthaltes zur Entbindung selbstverständlich auch in Fragen zum Thema Stillen und allen weiteren Anliegen mit Rat und Tat zur Seite.

Zum Archiv