Notfall

Vredener Rheumatologie nimmt Vorreiterrolle ein

Vreden. Gerade im Bereich Rheumatologie macht sich der Fachärztemangel bemerkbar. Sowohl im Westmünsterland als auch deutschlandweit gibt es zu wenig internistische Rheumatologen. Im Schnitt kommen in Deutschland auf 100.000 Einwohner nur 0,8 Rheumatologen. Um der „Volkskrankheit Rheuma“ trotzdem die Stirn zu bieten, wurde mit dem StärkeR-Projekt die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen in der Rheumatologie umgestaltet, damit die Versorgung rheumatologischer Patienten verbessert wird. Als eine von nur drei deutschen Rheumakliniken nahm die Klinik für Rheumatologie des St. Marien-Hospitals Vreden gemeinsam mit Rheumapraxen aus Nordrhein-Westfalen an der 2018 gestarteten Studie teil – mit positiven Erkenntnissen.

Im Kern geht die vom Innovationsfonds der Bundesregierung finanzierte Studie davon aus, dass ärztliche Tätigkeiten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus nichtärztlichen Gesundheitsberufen – konkret Rheumatologischen Fachassistenten (RFA) – wirkungsvoll übernommen werden können. In den teilnehmenden rheumatologischen Kliniken und Praxen wie der Vredener Klinik für Rheumatologie wurden im Untersuchungszeitraum der Studie daher speziell ambulante, stabil eingestellte Rheumapatienten von Rheumatologischen Fachassistenten untersucht. Zur Überprüfung dieser Ergebnisse erfolgte die Nachuntersuchung durch einen rheumatologischen Facharzt der Ruhruniversität Bochum.

„In unserer Klinik sind drei Rheumatologische Fachassistenten tätig, die allesamt im stationären Bereich arbeiten“, erklärt Chefarzt Dr. Michael Sarholz und ergänzt: „Im Rahmen des StärkeR-Projektes ist mit Frau Kondring eine RFA in den ambulanten Bereich gewechselt.“ Für Marietheres Kondring bedeutete dies eine Erweiterung ihres Aufgabenspektrums, für die sie im Vorfeld des Projektes durch verschiedene Vorbereitungskurse geschult wurde. Aufklärungsgespräche zur korrekten Medikamentenanwendung, die Vorbereitung von Rezepten und die Anfertigung von Arztbriefen gehörten während des Projektes zu ihren neuen Tätigkeiten. „Für mein Ärzteteam und mich bedeutet dies eine erhebliche Entlastung und Zeitersparnis, sodass sich wiederum neue Kapazitäten für andere Patientinnen und Patienten mit womöglich komplizierteren Krankheitsbildern ergeben“, fügt Dr. Sarholz an.

Auch Marietheres Kondring zieht nach dem Abschluss des Projektes ein rundum positives Fazit: „Unsere Patienten haben sich überaus zufrieden gezeigt. In einigen Fällen ließ sich gar der Eindruck gewinnen, dass sich Patienten nun offener zu ihrem Krankheitsbild äußerten und wir dadurch wichtige neue Informationen erhielten, die wir in die gezielte Therapierung einfließen lassen konnten.“ Die positiven Erkenntnisse, die in der Vredener Rheumatologie durch die Integration einer RFA in die ambulante Versorgung gesammelt wurden, decken sich mit den nun im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Studienergebnissen. „Das Resultat zeigt nicht nur, dass wir in unserer Klinik ein hervorragend ausgebildetes Fachpersonal haben. Ich bin davon überzeugt, dass gerade die Rolle der nichtärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Rheumatologie in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen wird“, so Dr. Sarholz.

 

Foto: Chefarzt Dr. Michael Sarholz und die Rheumatologische Fachassistentin Marietheres Kondring sammelten im Rahmen der Teilnahme am „StärkeR-Projekt“ viele positive Erkenntnisse, die auch nach Abschluss des Projektes in den Arbeitsalltag eingebunden werden sollen.

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