Kreuz-Kunstwerk von Ferdi Schreiber

Lebenslinien

Das Kunstwerk „Lebenslinien“ entstand aus dem Wunsch, für den neu gestalteten Eingangsbereich im Eingang des Krankenhauses ein Lichtkreuz zu gestalten – aus Holz und warm orangefarbenen Glasscheiben,
die - gegen das Licht gehalten - transparent werden. Sie symbolisieren: In Brüchen, Rissen und Zeiten der Erschütt erung liegt die Kraft des durchbrechenden Lichts.
Dieser Gedanke prägte von Beginn an den kreati ven und inspirierenden Austausch mit dem Künstler Ferdinand Schreiber – von der schweren, facett enreichen Mooreiche letztendlich bis zu den 21 individuell
gebrochenen und einzeln in Metallrahmen gefassten Eichenscheiben, die nun zu einem Gesamtwerk zusammengefügt werden.

Die Eiche als zentrales Material steht für Beständigkeit, Stärke und Verwurzelung – Werte, die das Haus und seine Geschichte prägen. Das Kunstwerk spiegelt damit auch das christliche Fundament des Hauses wider. Das Werk zeigt ein Kreuz, das aus den Lebensspuren des Materials herauswächst: Die Brüche, künstlerisch provoziert, stehen für Verletzlichkeit und Veränderung, die Lebenslinien der Eiche für Kontinuität und Hoffnung. Die farbliche Bearbeitung der Brüche und Risse hebt diese bewusst hervor und verleiht ihnen eine besondere Würde – eine „Veredelung“, die das Unvollkommene nicht verbirgt, sondern sichtbar macht und wertschätzt.

Die verwendeten Farben der Bruchlinien greifen einerseits das Logo des Klinikums Westmünsterland auf, andererseits laden sie zur spirituellen Deutung ein. So kann Rot für Lebenskraft und Leidenschaft , Blau für Ruhe und
Vertrauen, Grün für Hoffnung und Heilung, Orange für Lebensfreude und Wärme sowie Lila für spirituelle Tiefe und Transformation stehen.

In das Holz sind Gläser der ehemaligen Kapellen der Standorte Stadtlohn, Vreden und Ahaus eingearbeitet – ein Zeichen für gemeinsame Geschichte, gelebte Spiritualität und die Zusammenführung unterschiedlicher Orte. Zugleich spiegeln sie die Brüche wider, die mit der Verlagerung der einzelnen Standorte verbunden sind – Erfahrungen von Verlust, Veränderung und Schmerz, die viele Mitarbeitende und Menschen vor Ort bewegt haben. Das Kunstwerk würdigt diese Erfahrungen und macht sichtbar, dass auch aus Spannungen und Abschieden etwas Neues entstehen kann, das trägt und verbindet.

Die Gläser in den Kreuz-Elementen des Objekts erzeugen durch eine indirekte Beleuchtung ein sanft es Licht und laden unsere Patientinnen und Patienten, unsere Besucherinnen und Besucher sowie unsere Mitarbeitenden zu Momenten der Besinnung ein.

Das durchbrechende Licht, das in den Bruchlinien des Kunstwerks sichtbar wird, ist mehr als ein gestalterisches Element – es steht für eine zutiefst menschliche Erfahrung: Gerade in Zeiten von Schmerz, Unsicherheit und Umbrüchen können Trost, Orientierung und neue Perspektiven entstehen. Im christlichen Glauben ist dieses Licht zugleich Symbol der Hoffnung, die aus dem Kreuz erwächst – nicht als Ende, sondern als Anfang. Es erinnert daran, dass selbst im Dunkel des Leidens das Licht nicht erlischt, sondern hindurchbricht und verwandelt.

Die 21 Einzelwerke bilden vereint im Gesamtwerk ein kontemplatives Feld. In ihrer Mitte wächst eine Linie zum Kreuz – nicht aufgesetzt, sondern aus dem Material heraus entstanden. Dieses Kreuz ist kein Ornament, sondern ein Riss, ein Zeichen: für das, was das Leben durchkreuzt und für die Hoffnung, die daraus erwächst.

So wird das Kunstwerk gerade an diesem Ort zu einem Ort der Sammlung. Es lädt ein, innezuhalten, zu sehen, zu fühlen – und es erinnert daran, dass Heilung nicht das Verschwinden des Bruchs bedeutet, sondern das Durchscheinen von Licht durch ihn hindurch.

In der Betrachtung des Kunstwerkes wird eines klar: Die Deutung bleibt offen „Kunst entsteht im Auge der Betrachtenden“.